3 Tore, 3 Punkte zum Klassenerhalt in Liga 3, gegen Babelsberg 03 – na, sind das genügend „Dreier“?
Ja, das war befreiend am Samstag. Aber nicht erst nach der beruhigenden 2:0 Führung (beide Treffer Preston Zimmerman), sondern gleich vom Anpfiff weg. Das Team wirkte hochmotiviert und konzentriert. Die oft und viel bemühte Deutung der Körpersprache lies auch nur eine Interpretation zu: dieses Lilienteam macht „den Sack zu“.
Das war in der Tat Aufbauhilfe Ost! Jena, das sich eigentlich schon näher dem Abstieg wähnte, darf sich dank eines Sieges über ganz schwache Lilien, erneut Hoffnung machen auch nächste Saison noch Mitglied der dritthöchsten Liga zu sein. Die Lilien verpassten es damit den Abstand zu vergrößern. Dem seit Wochen proklamierten Anspruch, gegen Mannschaften aus dem noch tieferen Tabellenkeller den Klassenerhalt unter Dach und Fach zu bringen, wird man in der gezeigten Form nicht gerecht. Das Gesehene nährt allerdings Existenzängste, denn sowohl Oberhausen und Jena zeigten den Böllekickern, wie man um den Klassenerhalt kämpft. Beide investierten mehr und waren körperlich präsenter.
Fangen wir mir den positiven Nachrichten des gestrigen Abends an:
* die Lilien haben erneut nicht verloren * als einer der ersten Vereine der 3.-Liga überhaupt erhielt der SV98 die Spiellizenz für die kommende Saison.
Zurecht verkündete Präsident Hans Kessler voller Stolz, dass der DFB „die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit für die 3. Liga im ersten Anlauf bestätigt hat. Wirklich bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass die gerade laufende Saison erst die zweite als wieder normaler Verein, befreit von allen Insolvenz bedingten Einschränkungen ist. Auflagen gab es alleine im „technisch-organisatorischen Bereich“, was einzig dem „sehr in die Jahre gekommenen Stadion“ geschuldet ist. Tja, das Bölle, das uns allen über Jahrzehnte ans Herz gewachsen ist, wird langsam aber sicher ein in finanzieller Hinsicht pathologischer Fall. Der Zeitpunkt, an dem die Finanzierung einer neuen Spielstätte kostengünstiger ist, als die alte Schüssel zu erhalten, scheint fast täglich näher zu kommen – wenn er nicht sogar schon überschritten wurde. Also einer weiteren Saison 3.Liga Fußball am Böllenfalltor steht nichts mehr im Wege...
So sehr ich mich über den Punktgewinn in Chemnitz gefreut habe, so sehr habe ich mich über die Bilder im TV geärgert. Schaut euch mal den Screenshot in groß an... Hallo, gehts noch? Eine aufwändig gestaltete „Lilienschweine“-Zaunfahne? Leute, das hat mit Ironie nichts mehr zu tun, das ist völligst daneben, geschmacklos und wird sicherlich noch für Diskussionen sorgen.
So, und da ich nicht vor Ort war verweise ich auf folgende Spielberichte:
Es ist schon kurios, es gibt Gegner, gegen die kann man einfach nicht gewinnen. Für die Lilien scheint die SpVgg. Unterhaching ein solcher Gegner zu sein. Trotz bester Tormöglichkeiten, speziell im zweiten Durchgang durch Marcus Steegamann und Oli Heil, konnten die Hausherren nicht scoren. Aber auch in der 1.Halbzeit wurden beste Gelegenheiten nicht genutzt. Einzig dem sehr agilen Rudi Hübner muss bei seinem Lattenkopfball Pech attestiert werden. Eine in dieser Saison altbekannte Problematik. An was liegt die Abschlussschwäche? Fehlt es an Qualität?
Ansonsten gibt es zu dem Kick nicht viel mehr zu sagen als: drückend überlegene Lilien hatten in einer sehr schlechten Partie nicht nur gegen 11 Hachinger, sondern auch gegen zwei wild gewordene Linienrichter, die wirklich jede Gelegenheit nutzten, ihre Fähnchen in den starken Wind zu halten. Mal ehrlich, so oft steht kein Team der Welt im Abseits, wie es die beiden Linesmen es reklamiert haben. Ganz schwache Leistung, aber die passte zum Spiel. Und kurz vor Ultimo mussten die Lilien noch froh sein, nicht mit leeren Händen dazustehen. Unterhachings Tunjic vergab, alleine vor Jan Zimmermann, aus 12 Metern eine hundertprozentige Chance.
Täglich grüßt das Murmeltier! Erneut können die Lilien sagen: da war mehr drin. Denn in einer tollen ersten Halbzeit hatten die Heiner den ehemaligen Aufstiegsaspiranten klar im Griff. Gefühlt hatten die Blauen ein Chancenplus von 10:1. Aber nur Preston Zimmerman gelang es, den Ball über die Linie zu zwingen.
OK, zwar war das ein halbes Eigentor, aber ohne Prestons Einsatz wäre der Ball nicht über die Linie gegangen. Das alles geschah in der 39.Minute und die Führung war Ausdruck der spielerischen Überlegenheit, die sich die Lilien erarbeitet hatten. Klar, in den ersten 10 bis 12 Minuten waren die Hausherren spielbestimmend. Danach gab es aber nur eine Mannschaft, die strukturierten Fußball vortrug, das waren die Lilien.
Im ersten Durchgang konnten einem der Aufstiegsaspirant aus dem Schwäbischen fast leid tun. Die Lilien kämpften und spielten die Heidenheimer an die Wand. Zudem zeigte sich das Team von Kosta Runjaic gnadenlos effektiv. Gleich der erste Angriff saß. Andreas Gaebler flankte und Rudi Hübner traf per Kopfball zum 1:0. Klasse! Nicht nur wegen des Tores muss man an diesem Tag Rudi Hübner loben, er wuchs im Laufe des Spiels zu einem Aktivposten, den Heidenheims Abwehr selten in den Griff bekam.
Und die Lilien ruhten sich auf dieser Führung nicht aus. Im Gegenteil, die Boys in blue waren diejenigen, die das Tempo und die Marschrichtung vorgaben. So war das 2:0 in der 15.Minute fast eine logische Folge. Aber was war das für ein fulminantes Tor von Preston Zimmerman? Auf links tankte er sich vom Mittelfeld bis in den Strafraum durch und zog trocken ab. Unhaltbar schlug der Ball im langen Eck ein. „Prestosteron“ pur! Einige machten gar den St.Patrick´s Day zum St.Preston´s Day.