Der Fan-Club Blau-Weiß wurde 1973 gegründet und ist der älteste SV98 Fan-Club. Nach unserem Kenntnisstand war der FCBW damals Deutschlands dritter organisiserter Fan-Club überhaupt (nach den Rüsselsheimern und den "Bochumer Jungs von 1972"). In den frühen Achtzigern wurde der Club aufgelöst. Auf Initiative einiger früherer Mitglieder wurde im Rahmen einer privaten Geburtstagsfeier beschlossen, den FCBW wieder neu in´s Leben zu rufen. Am 20.06.2008 war es dann soweit: Sieben Personen vollzogen die Neugründung des Fan-Clubs. Aktuell (Stand: 20.02.09) sind wir bei 46 Mitgliedern angelangt, die Mitgliederzahl steigt jedoch wöchentlich.
Hauptziel des FCBW ist die Unterstützung des SV Darmstadt 98, des Vereins, den wir als integralen Bestandteil unserer geliebten Heimatstadt verehren. Dabei wollen wir vor allem Spaß haben, aber auch in schwierigen Zeiten treu zu unserem Sportverein stehen. Unsere Mitglieder gehen schon seit Jahrzehnten an’s Bölle. Unser Motto lautet: Einmal blau-weiß, immer blau-weiß.
Demnächst findet Du an diese Stelle ausführliche Informationen zur Geschichte des FanClub Blau Weiß!

Interview des "Ausnahmezustand", dem Fanzine der Ultras Darmstadt :
Verfügung steht.
Erzählt unseren Lesern zunächst einmal etwas über eure Struktur und
eure Besonderheiten als Fanclub!
FCBW:
Die Struktur haben wir gerade geändert. Wir sind weg von der Struktur eines Führungsgremiums, hin zu einem gewählten Vorstand. Das ist dem Umstand geschuldet, dass der Fan-Club schnell sehr groß wurde. Aus einer Siebener-Gruppe wurde in etwas mehr als einem Jahr ein Fan-Club mit über fünfzig Mitgliedern.
Besonderheit ist mit Sicherheit, dass die meisten Mitglieder teilweise vierzig Jahre und mehr zu den Lilien gehen. So manch einer hat über 800 Spiele unseres Vereins gesehen.
AZ: Der FCBW existierte bereits zu Bundesligazeiten und wurde nun im
Jahr 2008 wieder gegründet.
Wie kam es damals zur ersten Gründung und warum hat man danach solange
nichts mehr von euch gehört?
FCBW:
Der FCBW ist einer der ältesten Fan-Clubs Deutschland. Gegründet wurde er 1973 von einer kleineren Gruppe, die ziemlich schnell anwuchs, so dass der FCBW damals der größte Fan-Club des SV 98 wurde.
Warum man lange nichts gehört hat? Na ja, Anfang der Achtziger sind viele von uns ausgezogen, beruflich Karriere zu machen oder haben Familien gegründet und hatten nicht mehr die nötige Zeit. Die Neugründung war im Rahmen des Insolvenzantragsverfahrens als positives Zeichen gedacht. Wir wollten vermitteln, dass wir trotz schwerer Zeit an unseren Verein und seine Zukunft glauben.
AZ: Wenn ihr die heutige Zeit mit den Bundesligajahren vergleicht,
welche Unterschiede könnt ihr dann
im Bezug auf euren Fanclub feststellen?
FCBW:
Zunächst: wir sind älter und etwas ruhiger geworden. Das wars aber auch schon – das Fan-Dasein ist weiterhin ungebrochen intensiv.
AZ: Wie kam es letztendlich zur Wiederbelebung der Blau-Weißen und
welchen Aktivitäten seid ihr seitdem nachgegangen?
FCBW:
Wie vorhin schon erwähnt, war die Neugründung als Zeichen gedacht. Stattgefunden hat das im Rahmen einer privaten Geburtstagsfeier, bei der wir auch in kleiner Runde 750€ für den Verein gesammelt haben. Und letztlich war die Idee: hey, lasst uns ein Zeichen setzen. Denn für einen Verein gibt es nichts Schlimmeres, als wenn sich die alten Hardcorefans abwenden. Also wollten wir ein offensives Zeichen setzen, dass wir an die Bewältigung der schweren Krise glauben. Aus unseren Reihen kamen ja auch diverse Aktionen, wie z.B. die Musiknacht, das Grillen für die U 19 oder die Organisation des Rekordspiels gegen Ulm.
Aktuelle Aktivitäten? Eigentlich sind wir intern immer noch mit dem Aufbau des FCBW beschäftigt. Trotzdem legen wir größten Wert auf gemeinsame Auswärtsfahrten und das Erlebnis gemeinsam den Verein SV Darmstadt 98 zu erleben und Spaß zu haben.
AZ: Was haltet ihr von einem antirassistischen Grundkonsens in der
Lilienfanszene? Ist etwas vergleichbares in der Szene
existent? Wie geht ihr generell mit politischen Themen im Stadion um
und gibt es dabei Unterschiede zu früher?
FCBW:
Grundsätzlich ist jede Form von Rassismus fehl am Platz – egal wo, ob im Stadion oder im richtigen Leben. Extremistische Strömungen, egal aus welcher Ecke, haben stets etwas Intolerantes an sich und das ist nicht zu akzeptieren.
Politik –egal aus welcher Richtung- sollte nicht ins Stadion getragen werden. In der Antike wurde es uns doch vorgemacht. Während der Ur-Olympiade ruhte jede Politik. Sport soll Menschen einen, Politik säht eher Zwietracht.
Früher, also ganz früher, in den Siebzigern, gab es keine merkbar spürbaren politischen Strömungen, da war jeder mit der Religion seines Vereins genug beschäftigt. Leider hat sich das im Laufe der Jahre verändert und politische Themen wurden ins Stadion getragen.
AZ: Gab oder gibt es Kontakte, bzw. Freundschaften zu anderen Fanszenen? Wie steht ihr anderen, in der Szene vorhandenen,
Freundschaften gegenüber?
FCBW:
Kontakte gibt es in privater, persönlicher oder beruflicher Form.
Als Fan-Club pflegen wir keine externen Kontakte, dafür die internen umso intensiver.
Generell sind institutionalisierte Fanfreundschaften eine schwierige Sache, denn Fanszenen sind viel zu komplex, um allgemeingültig Freunde zu haben. So muss z.B. eine Freundschaft, die Ultras pflegen, nicht auf unsere Sympathie treffen, da wir mit den Fans dieses Vereins evtl. schlechte Erfahrungen gemacht haben. Deshalb: Freundschaften sind eigentlich eine individuelle Sache und nix für Gruppen. Wir haben schon immer gut nach dem Motto gelebt: „No one likes us, we don’t care“
AZ: Ist euch der Support bei Lilienspielen wichtig oder steht eher der
gemeinsame Spielbesuch im Vordergrund? Wie sieht eurer
Auffassung nach ein guter Support aus und wie hat sich dieser in
Darmstadt entwickelt?
FCBW:
Klar steht Support an erster Stelle! Aber die relativ schwierige Situation mit Zuschauerschwund und teilweise nicht so tolle sportliche Leistungen bringt es halt mit sich, dass viele Treue nicht mehr kommen. In der Stadt gibt es deutlich mehr (alte) Lilienfans, als im Stadion. Denen kann man keinen Vorwurf machen, die wurden zu sehr enttäuscht. Von daher freut man sich um jeden Weggefährten, der immer noch kommt. Der soziale Aspekt des Gemeinsamen ist uns also auch sehr wichtig.
Support sollte Situationsbezogen sein und nicht zur monotonen Geräuschkulisse verkommen. Spieler sollen schon wahrnehmen können, wie die Fans das Spiel erleben. Dynamik in der Fan/Spieler Kommunikation eben. Der Support ist in Darmstadt immer noch teilweise sehr gut, wird sich aber mit einem neuen Stadion vermutlich noch verbessern.
AZ: Was haltet ihr von den drei "Fanblöcken" bei den Heimspielen
unserer Lilien? Schafft dies für euch einen gewissen Reiz oder
hättet ihr lieber einen gemeinsamen Fanblock?
FCBW:
Kein Problem! Es gibt in DA scho lange nicht mehr den einen Fanblock, es sind schon lange mehrere Blöcke und jeder hat und hatte seine Eigenarten. Das war früher im Profifußball, das wissen wir aus Gesprächen mit Ex-Spielern, eine Darmstädter Stärke. In jeder Ecke war was los und gegnerische Fans kamen nur sehr schwer zur Geltung.
Der gemeinsame Fanblock kommt irgendwann von ganz alleine, das wird ein Tribut, den der moderne Fußball fordert. Irgendwann werden auch wir eine „Arena“ anstelle unseres geliebten Bölles haben und dann ist auch Schluss mit der Bewegungsfreiheit.
AZ: Ihr seid nicht mehrheitlich im Fanverein vertreten, gibt es dafür
bestimmte Gründe? Wie steht ihr generell dem Fanverein als
Dachverband der Fanszene gegenüber? Spürt ihr einen starken
Zusammenhalt unter den Lilienfans oder empfindet ihr die Szene als eine
Art Zweckgemeinschaft?
FCBW:
Der Fan verein war in der Insolvenzzeit aus vielen Gründen heraus wichtig, ist aber unserer Überzeugung nach nicht das Zukunftsmodell. Fans gehören in den Hauptverein, in eine selbstverwaltete Abteilung, die ihre Interessen direkt vertritt. Der SV98 leidet in seiner Mitgliedsstruktur an Überalterung und da wären gerade die jungen Fans wichtig. Ebenso ist es wichtig, die Interessen der Fans generell in einem Organ innerhalb des Vereins zu organisieren, denn nur dann kann man Wichtiges bewegen, ohne vom Goodwill eines Vorstands abhängig zu sein. Denn als Verein neben dem Verein habe ich im Grunde kein Anrecht auf Gehör. Aber dafür sind grundlegende strukturelle Änderungen im Verein SV98 nötig, die bestimmt kommen werden.
AZ: Was haltet ihr von unserer Gruppe, unseren Aktivitäten und unserer
Art des Supports?
FCBW:
Die Ultras sind wichtig für die Weiterentwicklung der Szene. Durch Euch kommen junge Leute ins Stadion. Ihr habt in den vergangenen Jahren viel für den Verein getan. Wir würden uns wünschen, dass es mal wieder ne schöne Großchoreo von Euch geben würde und dass ihr mehr altes Liedgut zum Besten gebt. Der Ultradurchschnittsgesang ist für unsere Alten Ohren weniger geeignet ?
AZ: Kommen wir nun zum Sportverein. Die Pläne von Herrn Kessler sehen
eine Ausgliederung der Fußballabteilung und einen Kraftakt mit
der regionalen Wirtschaft vor. Seht ihr die Tradition des Vereins
gefährdet oder unterstützt ihr dieses Vorhaben?
FCBW:
Ob die Tradition erhalten bleibt, liegt auch an uns allen. Wenn wir wirklich wieder zurück in den Profifußball wollen, gibt es keinen anderen Weg, als den, der da geplant wird. Man muss halt mal abwarten, in welcher Form die Pläne umgesetzt werden sollen. Im Moment ist inhaltlich zu wenig bekannt, um konkret Stellung zu beziehen, das Prinzip ist aber richtig. Übrigens sieht man hier, wie wichtig es ist Mitglied im Verein SV98 zu sein, denn als solches bekommen wir frühzeitig die relevanten Informationen und können in der Mitgliederversammlung gegebenenfalls diskutieren dürfen über diesen Schritt abstimmen.
AZ: Wie bewertet ihr die sportliche Entwicklung der letzten Jahre? Wo
führt der Weg der Lilien langfristig hin?
FCBW:
Insgesamt ist in den letzten zwanzig Jahren die Entwicklung stetig abwärts gegangen. Ende der Achtziger waren wir ein dümpelnder Zweitligist, zehn Jahre später kämpften wir um den Klassenerhalt in der dritten Liga und heute sind wir froh, wenn wir die vierte Liga halten. Klar hat die abgewendete Insolvenz im Moment ihren Anteil an der aktuellen Situation. Aber insgesamt ist’s sportlich gesehen zu wenig und es wird schwierig die mittlerweile klaffende Lücke zum Profibereich wieder zu schließen. Wir haben viel Know-How auf der Strecke gelassen.
Langfristig ist schwer zu sagen, die Entwicklung hängt von vielen Faktoren ab. Mittelfristig sollte es zumindest mal in die Dritte Liga gehen, damit wäre unser Verein erstmal ziemlich beschäftigt und der Region würden auch mal wieder namhaftere Gegner geboten. Und irgendwann wäre unsere alte Heimat, in der der Sportverein 54 Jahre gespielt hat, die 2.Liga, auch mal wieder ganz nett.
AZ: Was sind eure kurz und langfristigen Ziele als Fanclub?
FCBW:
Sowohl als auch: Spaß haben und noch viele Lilienspiele sehen
AZ: Angenommen ihr hättet für das kommende Jahr drei Wünsche frei: Was
würdet ihr euch damit erfüllen?
FCBW:
1. Aufstieg in die Dritte Liga
2. DFB Pokalendspiel (wenigstens 1 x im Leben wäre geil)
3. Einen Flieger zu einem internationalen Auswärtsspiel des SV 98, ohne Sitzplätze, aber mit einer großen Bar und hübschen Stewardessen.
AZ: Nochmal danke für das Interview, wir wünschen euch ein frohes Fest
und einen guten Rutsch!
FCBW:
Das wünschen wir Euch auch! Vielen Dank!
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